St. Martinus Morken-Harff - vor 35 Jahren läuteten die drei Glocken zum letzten mal

 

Ein bedeutendes Ereignis für die Orte Morken und Harff bildete im 19. Jahrhundert der Neubau der katholischen Pfarrkirche St. Martin. In dem Bericht des Dechant H.J.Cleefisch von 1871 hieß es: „Die Kirche in seiner jetzigen Art, muss neu gebaut werden. Doch wo soll sie zu stehen kommen? Über den Standort wird es Schwierigkeiten geben“! Die alte Kirche in Morken musste bereits 1875 wegen Baufälligkeiten abgestützt werden. Erst nach dem Ernst Graf von Mirbach-Harff der Gemeinde, als Bauplatz ein Grundstück am Meßweg zwischen Morken und Harff angeboten hat, wurde durch die königliche Regierung quasi ein Bau an dieser Stelle erzwungen. Eine andere Quelle gibt an, dass dem Graf der Weg zur alten Kirche in Morken zu weit gewesen sei.

 
 
                                                     
 
 
Der Vertrag zur Erbauung der Kirche vom 15. März 1894
 
 
 
 
 
Der erste Entwurf mit den beiden Eingangsportalen  
 
 
 
       Die Grundsteinlegung  
                                 
 
Bereits im April des folgenden Jahres, begann man auf dem Feld hinter dem Kirchenbauplatz mit der Herstellung von Feldbrandziegeln. Diese Tätigkeit wurde von Holländern verrichtet, die den Sommer über hier arbeiteten. Der Bauplan beruhte auf einer Skizze des Kölner Architekten Heinrich Wiethase, der jedoch am 9.12.1893 verstarb. Die Ausarbeitung der Skizze wie die Bauleitung wurde an Theodor Roß aus Köln übertragen, der im Februar 1894 die Baupläne vorlegte. Der Kerngedanke des Architekten war es, ein neo-romanisches Gebäude mit achteckigem Vierungsturm und einer großen Rosette in der Westfront zu bauen. Die Kirche im Stil der Neoromanik zu errichten, zeichnet sich durch die Verwendung von Rundbögen, Säulen und kleineren Fenstern im Stil der Romanik aus. Es sind vor allem die schweren Säulenvorlagen, die zusammen mit den aus dem Halbrund entwickelten Bogen, den Stil der Romanik nachahmen. Diese seine Ideen wurden dann auch verwirklicht. Den Wunsch der Bevölkerung ein Doppelportal zu bauen, mit einem Zugang links für die Morkener und rechts für die Harffer, wurde nicht erfüllt.
 
 
 
 alte Postkarte der St. Martinuskirche Morken-Harff
 

Zum Bauverlauf heißt es in der Schulchronik: „Am 17. März erfolgte der erste Spatenstich zum Neubau der Kirche, nachdem ein feierliches Levitenhochamt zur Erflehung des göttlichen Segens zu dem in Angriff zu nehmenden Werke vorangegangen war. Am 24. März legte man den ersten Stein und am 22. April fand die feierliche Grundsteinlegung statt. In der Grundsteinlegungsurkunde, die in lateinischer Sprache abgefasst  war, lesen wir wie folgt: „Im Namen der heiligsten Dreifaltigkeit. Die Basilika im Ort Morken zu ehren des hl. Martin des Festglaubenden Bischofs, wurde im 11. Jahrhundert nach Christi Geburt gebaut. Nachdem sie öfters erweitert wurde und mit Altären zu Ehren der hl. Catharina O und M im Jahre 1384 und aller Heiligen im Jahre 1488 versehen worden war, weil sie baufällig geworden war und enger, als das sie die Menge der Gläubigen hätte fassen können, beschlossen die Pfarrangehörigen auf einem Acker passend zwischen den Dörfern Morken und Harff gelegen, der zusammen mit beigekauftem von dem adligen Geschlecht der Grafen Mirbach-Harff, das sich um den Aufbau des heiligen Tempel bestens verdient machte, sehr freigebig gegeben worden war, einen neuen Tempel zu errichten. Dessen Grundstein aus den römischen Katakomben hinübergebracht wurde und als der heiligste Vater, Paps Leo XII. obwohl die Zeit sehr unruhig war, das Schiff des heil. Petrus aufs ruhmreichste steuerte, als der erhabenste Kaiser Deutschlands Wilhelm II. auf glücklichste regierte, als der hervorragendste Herr Phillippo Krementz, der Kardinal der heiligen römischen Kirche unter dem Titel des heil. Chrysogon das Kölner Erzbistum auf glücklichste regierte, gelegt wurde, unter einem Messgesang am 22. des Monats April des Jahre nach Christi Geburt 1894, von Sigismund Bündgens Pfarrer zu St. Martinum in Morken, unter Mithilfe von Karl Füssenich dem Vicar dieser Pfarrei, im Beisein sehr viel Priester, unter dem Zurufen einer gewaltigen Menge Pfarrangehörigen und Nachbarn“.
 
 
 
 
                                                                                                               St. Martinus und im Spiegelbild der Erft
                                                                                                                                                                                                                                                                      
 
                                                                     
    
                                 
 
St. Martinus mit Friedhof 
 
                                                                                                            
 
St Martinus mit Blick von der alten  Bahnstrecke
 
 
Die Bau-Ausführung übernahm Heinrich Wolf aus Elsdorf. Er führte eine umfangreiche Korrespondenz mit dem Kölner Architekten Ross und äußerte zuweilen energisch seine Unzufriedenheit über Detailzeichnungen, so dass er durchaus eigene Vorstellungen in den Kirchenbau mit einbringen konnte. Immer wieder kam es zu Materiallieferungsschwierigkeiten, über die sich Wolf bei Graf Mirbach beklagte. Am 28. Juli 1894 schrieb Wolf an den Holzlieferanten Friedrichs in Grevenbroich, dass mit den Zimmerarbeiten begonnen werden konnte. Auseinandersetzungen zwischen Ross und Wolf wegen fehlendem Baumaterial führten auch immer wieder zu Verzögerungen am Bau. Dennoch gelang es vor Weihnachten 1894 und vor dem beginnenden Frost, das Bauwerk unter Dach und Fach zu bringen. Wie aus dem erhaltenen Lohnbücher des Elsdorfer Baumeisters und Unternehmers Heinrich Wolf hervorgeht, waren zeitweise 35 Maurer und 60 Arbeiter sechs Tage in der Woche, täglich 12 Stunden bei einem Lohn von 2,20 DM, an der Arbeit. Doch trotz aller Schwierigkeiten schritt der Bau zügig voran und wurde Ende Mai 1895 mit den Nebenarbeiten abgeschlossen. Am 1. September wurde das Gotteshaus durch den Kölner Weihbischof Dr. Schmitz feierlich konsekriert. Das trutzige Bauwerk war eine Seltenheit im damaligen Alt-Kreis Bergheim und wurde bekannt durch seine architektonische Diplomatie der separaten Eingänge. Im Jahre 1904 wurde das im neo-romanischen Stil erbaute Gotteshaus, durch die Ausmalung im Inneren der Kirche vollendet.
 
 
 
 
 
 Luftaufnahme von St. Martinus Morken-Harff 
 
 
 
 
                                                                                      
                                                                                                                                                                
 
Der Altarraum wurde wegen Beschädigung mit                                                                Die Kanzel
                                                                    schwarzen Tüchern bis zur Reparatur verhängt                                  
 
                 
Am 27. Januar 1974 wurde in Anwesenheit von Generalvikar Peter Nettekoven, der letzte feierliche Gottesdienst gehalten, da das schöne Gotteshaus sehr bald auch dem nahenden Braunkohlentagebau Frimmersdorf weichen musste. Ein letztes Mal läuteten die drei Glocken aus den Jahren 1435, 1570 und die vor einigen Jahrzehnten hinzugekommene, aus dem Kirchenturm. Noch einmal erklang in dieser Kirche, die eine hervorragende Akustik hatte, die Orchester-messe G-Dur von Franz Schubert. Alle Gläubige des Ortes waren Anwesend, um Abschied zu nehmen von ihrem schönen Gotteshaus. Eine wahre Invasion von Menschen auch aus den Nachbargemeinden war gekommen. Dicht gedrängt wurde jedes kleines Stückchen Platz ausgenutzt. Viele von ihnen wurden hier getauft, hier erlebten sie ihre Erstkommunion und ihre Firmung. Demnächst wird dies alles nur noch nachlesbar sein in den Kirchenbüchern, die seit 1714 Auskunft über Leben und Sterben in der katholischen Kirchengemeinde Morken-Harff geben. Ein weiteres unersetzliches Denkmal aus der Heimat wir dem Erdboden gleich gemacht und für immer von der Bildfläche verschwinden.
 
 
                 
 
Innenansicht der Kirche
 
                                                                  
             
 
Innenansicht der Kirche Altarraum
 
 
 Das geschnitzte Chorgestühl
 
 
Im Sommer des gleichen Jahres war es dann soweit. Die Abrissbagger rückten an um die alte neo-romanische Kirche abzureißen. Die Kirche war längst leer geräumt und die schönen Glasfenster und Türen ausgebaut. Einige Einrichtungsgegenstände waren, in die inzwischen Neugebaute Kirche in Kaster, übernommen worden. z.B. das alte von einem Pfarrer geschnitzte Chorgestühl, das ursprünglich eine hohe Rückwand hatte und vier Sitze. Es ist aus Eichenholz und stammt aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Das Mittelstück des Tabernakels, es zeigt die Hinweisung der Christen zum Lamm, die Beichtstühle und ein Taufstein aus Blaustein.  Das Martinsmosaikbild fand ebenfalls einen neuen Platz, es ist am Pfarrheim angebracht.
 
 
 
Martinsmosaik
 
Nachdem die Kirche leer stand, setzte ein Run von Souvenirjägern ein. Es war nicht einfach das Gebäude zu bewachen. einige Male musste die Polizei eingreifen. Auch das Unternehmen, das mit dem Abbruch beauftragt wurde, hatte es nicht leicht, dem Ansturm Herr zu werden, da von der Kirche auch „Ausnahmegenehmigungen“ zum Betreten ausgestellt worden waren. Am 11 Juli 1974 um 17:00 Uhr war es dann soweit. Es begann mit einem dumpfen Knall, ein Staubkranz legte sich in Bodennähe rings um die Kirche, die Mauern sackten zusammen, eine dichte Qualmwolke hüllte die Ruine ein. Was übrig blieb war nacktes Gestein. Dieser Anblick trieb vielen Besuchern Tränen in die Augen. Tränen dessen sich niemand zu schämen braucht. Man verliert überall sichtbar Stück um Stück von der geliebten Heimat. Einige nahmen sich noch ein Stück Bruchstein, ein Stück Balken oder ein Stück Bodenfliese als Erinnerung von ihrem Gotteshaus mit, das zwei grausame Weltkriege unversehrt überstanden hatte. 
 
 
 
Die Sprengung
 
 
 
Die Trümmer

 

Wir bedanken uns ganz herzlich bei den 2. Schwarzen Schill´schen Offizieren und bei Herrn Reiner Görres für die zu Verfügung gestellten Bilder.
Des weiteren bedanken wir uns bei Herrn Schwartz-Wolff für seine hilfreiche Unterstützung.
 
 

 

   
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